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Die Datenhoheit gehört zum Fahrzeugeigner

 

Die aktuelle Diskussion in Österreich um Datenhoheit und -sicherheit im automotiven Bereich zielt auf Wahrung von Konsumentenrechte. Ebenso wie die Arbeiterkammer in ihrer Pressekonferenz m 10. Oktober in Wien fordert der Verband der freien Kfz-Teilefachhändler, VFT, Konsumenterechte ein. Eine OTP, Open Telematic Platform, böte die Alternative zum „Extended Vehicle“ (ExVe) der Fahrzeughersteller.

OTP setzt voraus, dass die Daten

·        alle im Fahrzeug bleiben,

·        dem Fahrzeugeigner gehören und

·        er entscheidet, wem er Zugriff gewährt.

ExVe, das Projekt von den OEM verfolgt kurz zusammengefasst, dass alle Daten auf Servern der Fahrzeughersteller liegen. Sie entscheiden, wem sie welchen Zugriff gewähren.  Das schon jetzt betriebene Datensammeln der Fahrzeughersteller mit und ohne Einverständnis der Autokäufer ist nach Auskunft der österreichischen Datenschutzbehörde ohnehin illegal. Obendrein unterstützt es den Aufbau von Monopolen, die strikt abzulehnen sind, da es Konsumenten und die unabhängigen Betreiber im automotiven Geschäft diskriminiert.

„Es ist Aufgabe der EU-Kommission bis 2018 dafür, mit der Einführung des außer Diskussion stehenden lebensrettenden eCalls in Europa, in eine den Wettbewerb nichtdiskriminierende verbindliche Lösung zu finden“, sagt der Obmann des VFT, KommR Ing. Mag. Bernhard Dworak. Für den IAM ist das die OTP mit den erwähnten Features.

Onlinehandel mit Kfz-Teilen hat klare Regeln

 

Reinhold Kaltenegger sagte vor Wiener Kfz-Teilehändlern: "Das Kfz-Teilegeschäft im Internet ist steuerlich klar geregelt." Bei einem Vortrag zum Thema „Steuer- und Finanzfragen der Kfz-Branche“ ging der Betriebsprüfer am Finanzamt Judenburg, Finanzexperte für die Autobranche und Buchautor (das KFZ von A – Z, Steuerliche Behandlung im Anlage,- Umlauf und Privatvermögen)  auch auf das Versand-/Internetgeschäft ein.  Unternehmen des österreichsichenTeilehandels befürchten, dass das Onlinegeschäft ein sehr ernst zu nehmender Mitbewerber ist und auch noch stärker werden wird. Derzeit wird sein Anteil auf zehn bis 15 Prozent geschätzt.

Der Vortrag über "Steuer- und Finanzfragen der Kfz-Branche“ in der Sparte Handel in Wien kam über Initiative von VFT-Obmann KommR Ing. Bernhard Dworak (l.) zu Stande. Hier im Bild mit dem Referenten Reinhold Kaltenegger

Rein steuerlich betrachtet, hat Kaltenegger die wichtigsten Kriterien dieses Geschäftsmodells so zusammengefasst:

  1. Versandlieferungen an Nichtunternehmer erfolgen immer ohne UID-Nummer. Grundsätzlich gilt für die (mehrwert-)steuerliche Behandlung das Ursprungslandprinzip.
  2. Wird die Lieferschwelle des Versenders von dzt. € 35.000 p.a. überschritten, gilt das Bestimmungslandprinzip.
  3. Tritt der Abnehmer (Kunde) mit einer UID auf, handelt es sich immer um eine innergemeinschaftliche Lieferung und ist steuerlich so zu behandeln, wie Geschäfte unter Unternehmen.
  4. Liefert der Versender Waren im Wert von mehr als € 35.000 nach Österreich, hätte er die einbehaltene Mehrwertsteuer hier abzuliefern. Im Fall von Geschäften, zwischen Unternehmen gilt der Vorsteuerabzug (s.o.).

 

CLEPA Aftermarket-Conference – Zukunft findet statt

Wir sind mitten drin – in der Zukunft der Mobilität. Die neuen Herausforderungen hat die automotive Welt angenommen und setzt sie um. Fahrzeughersteller, OEM, IAM, wetteifern, befeuert durch ein neues Mobilitätsverständnis vor allem in urbanen Räumen, überlagert von der fortschreitenden digitalen Revolution, um ihre Marktpositionen. Es ist eine spannende Zeit.

Die mehr als 250 Teilnehmer, europäische Aftermarket-Akteure, Autozulieferer, Fahrzeughersteller und Mobilitätsanbieter vernahmen auf der 7. CLEPA Aftermarket Conference im ersten März-Drittel in Brüssel Analysen, Prognosen und Fakten zur „Zukünftigen Mobilität“.

Für Tim Armstrong, Vice President Forecasting IHS automotive, werden im urbanen Bereich neue Mobilitätslösungen zwingend notwendig. Daran beteiligen sich Fahrzeughersteller bereits. „Die Vergangenheit ist kein guter Guide“ (O-Ton Armstrong), für Prognosen in den künftigen Mega-Cities. Fahrzeugeigentum tritt in den Hintergrund. Dipl.-Ing. Thomas Pfund, Leiter Systems Engineering, bei Schaeffler illustrierte das an Hand von Zahlen. Die Weltbevölkerung liegt derzeit bei 7, 1 Mrd., von denen 50 Prozent in Städten wohnen. 2025 werden es 8 Mrd. Menschen sein und 60 Prozent in urbanen Regionen wohnen. 1990 gab es 10 Megastädte (>10 Mio. Einwohner), 2025 werden es 37 sein. Armstrong führte aus, dass es zu drastischen Rückgängen bei Fahrzeugverkäufen bis 2040 (20 Einheiten Millionen weltweit) und Verschiebungen in den „klassischen“ Fahrzeugsegmenten kommen wird. Auf der Entwicklungsseite stehen obendrein Energie und Technologie in intensiver Rivalität, wodurch die Diversifikation der Antriebsarten mit Rücksicht auf regionale Bedürfnisse ebenfalls zunehmen wird. Schäffler, so Pfund, setzt eine Priorität auf Co2-Reduktion, durch Gewichtseinsparung bei Bauteilen. Fahrzeuge im C-Segment sollen nicht mehr als 5,1l/100km brauchen.

Digitalisierung und Vernetzung. Das Smartphone ist der Schlüssel zum Connected Car und zum Connected Aftermarket. Dr. Bernd Lichtenberg Leiter Connected Cloud Services – Automotive Aftermarket, Robert Bosch GmbH, und Dipl.-Ing. Thomas Pfund, Schaeffler, sehen in der Digitalisierung großes Zukunftspotenzial für das künftige Fahrzeug-Service. Schaefflers Aftermarket-Konzept „Repxpert“ für die Werkstätten, liefert Produkt-, Einbau- und Trainingsinformationen. Es ist damit für B-2-B ausgelegt.

Bosch setzt auf den vernetzten „Mobilitäts-User“. In den Bosch affinen rund 8.000 Servicebetrieben sind bereits 400.000 Autofahrer bei Drivelog registriert. Das ist ein Portal der Mobility Media GmbH, ein Tochterunternehmen von Bosch. Drivelog bündelt, verwaltet und vergleicht alles, was das Auto des Users braucht. Es umfasst u. a. die Kostenüberwachung, den Fahrzeugzustand („Car Health“) mit Live-Screen, ein Pannen-Service und ist mit sozialen Netzwerken verbunden. Zu einem denkbaren Szenario gehört für Lichtenberg, dass die Stammwerkstätte sämtliche Informationen über das Fahrzeug hat, bevor der Kunde vor dem Betrieb vorfährt.

Dr. Gilbert Heise, Leiter der Markt- und Trendforschung, VW; Volkswagen verfügt mit der integrierten Lösung CarNet, für die mit dem englischen „embedded OEM solution“ schon ein delikates Wording gefunden wurde. Die Applikation am Smartphone in Verbindung mit den Skills VRM (Vendor Relationship Management – Applikationen machen User u. a. zu Sammelstellen ihrer Daten und geben ihnen die Kontrolle über die Verwendung dieser Daten durch Dritte) und CRM (Customer-Relationship-Management – u. a. zur systematischen Gestaltung der Kundenbindungsprozesse) bietet drei Module, E-Remote-Services (spezialisiert auf die eMobility), Guide & Inform (Verkehrsinformation und Navigation) und App-Connect (alles, was sich unter dem Begriff „Entertainment“ subsumieren lässt). CarNet ist zweifellos eine wichtige Voraussetzung für den Trend zur „shared economy“, also für jene, die nicht Fahrzeughalter, sondern nur Auto-User sein wollen. In den neuen Mobilitätskonzepten werden die Fahrzeughersteller vorne mitspielen. Eine Facette, die im Aftermarkt Aufmerksamkeit erregen sollte, ebenso wie das autonome Fahrzeug einer nahen Zukunft.

Verwerfungen in der Vertriebslandschaft des Aftermarkets ortet daher Fotios Katsardis, President & CEO,  Temot International Autoparts GmbH in mehreren Bereichen. Der IAM stagniert in Westeuropa und der Produktmix wechselt marginal. Der IAM steht im Wettbewerb mit den Fahrzeugherstellern, dem eCommerce und den ITG´s (internationale Einkaufsgemeinschaften). gefordert. Verschläft er seine Chancen?

Gegenüber den Fahrzeugherstellern kann er sich (noch) behaupten. Ihr Einfluss wächst allerdings enorm: z. B. durch 2-Marken-Strategie, Werkstatt-Netze, IAM-Akquisitionen, steigenden Druck auf die Zulieferer, und das große Thema Telematik, aber dazu später. Jedenfalls besetzen die Fahrzeughersteller bereits das Segment „Car Sharing“ (s. o.).  Es wächst rasch, ist noch defizitär, und der IAM spielt da so gut wie nicht mit.

Der eCommerce ist ein ernst zu nehmender Kontrahent. Katsardis: „Er behauptet seine Position im gesamten Markt. Die Dämonisierung des eCommerce hat sein Wachstum nicht gebremst. Der Markt findet seinen Weg. Die Zukunft heißt weder B-2-B noch B-2-C, sondern B-2-E(everyone)“, definiert der Temot CEO die Absatzkanäle neu.

Die ITG´s haben ihre zentrale Funktion des Bonussystems längst entmystifiziert. Sie bieten u. a. Werkstattkonzepte. Sie sind heute ein „must“, aber kein USP. Systemanbieter schaffen Transparenz und helfen mit umfangreichem Support, Lagerwirtschaft, Kennzahlen und Analysen.

Die Telematik, ab 2018 (eCall) obligatorisch, hat bislang keinen signifikanten Einfluss auf den Markt. Der IAM ringt um Lösungen. Es gibt aber keine sektoralen, sondern nur viele kleine. Die Fahrzeughersteller haben mit ihrem „extended Vehicle“ Konzept bereits Erfolg. „Ein Alptraum-Szenario?“, provoziert der Temot CEO, „ja, wenn der Aftermarkt das zulässt.“ Hier könnte eine große Chance verloren gehen.

Der One-Stop-Shop für Business und Mobilität. Die weitere Zunahme der Bedeutung des Internets, auch befeuert durch sich verändernde Mobilitätsgewohnheiten einerseits und das Entstehen von Sharing-Modellen in vielen Wirtschaftszweigen (zB: Büro, Unterkunft, Jeans -  hic! -  und Haushaltartikeln) andrerseits, werden die Leaseplan Group zu einem One-Stop-Shop für Mobilität mutieren lassen. Wolfgang Reinhold Senior, Vice President Car Remarketing, Operations & Procurement, sagte dazu: „Der One-Stop-Shop für professionelle Mobilität bietet drei Geschäftsfelder:

1. Lieferant für Mobilitätsanbieter (Autovermieter, Car-Sharing-Unternehmen, Taxi-Betreiber, Fahrgemeinschaften für Pendler),

2.  Auto-Mobilität (Leasing, Vermietung, Car Sharing, Pool Management),

3.  Multi-modale Mobilitätslösungen (Angebote und Lösungen für Reisen auf kurze oder große Distanzen)

Im Modul Auto-Mobilität setzt Leaseplan auf maßgeschneiderte Mobilitätsbedürfnisse (von der 1. Stunde bis zu mehreren Jahren).

Die Shared Economy ist getrieben von Kostenreduktion und Verlust des Images von Eigentum. Beides macht sich das Unternehmen zu Nutze. „Wir werden das Angebot des Aftermarktes vorrangig für unsere Reparatur- und Wartungsansprüche nutzen,“ sagte Reinhold. Das Kostenbewusstsein verlange das einfach, auch wenn die Fahrzeughersteller das nicht hören wollten.

Datenschutz wird EU-Agenda. Die radikalen Änderungen in der automotiven Landschaft sind, das zeigen die Ausführungen der Referenten, von der Digitalisierung getragen und die benötigt Daten. Einzelne Redner sprachen das Thema offensiv an. Pfund, Schaeffler, stellte daher die heftig diskutierte Frage: „Wer ist der Eigentümer dieser Daten?“ Er forderte einen Industriestandard, der seiner Ansicht nach die fairste Lösung wäre. Lichtenberg, Bosch, hat den Zugang zur Datensicherheit: „Wir verlangen vom Kunden eine explizite Erlaubnis, die Daten zu nutzen. Das schafft Vertrauen und Transparenz.“ Immerhin dringt die Datenthematik mit zunehmender Digitalisierung und Vernetzung, aber auch durch die Aktivitäten der Mobilitäts-Clubs in das öffentliche Bewusstsein. Eine EU-Datenschutzreform wird das momentane Datensammeln voraussichtlich ab 2018 für illegal erklären.

Völlig legal arbeitet TOMTOM an der Optimierung der Navigation zur Unterstützung des automatisierten Fahrens.  Höchste Präzision bei der Erfassung der „StraßenDNA“, so Jan-Maarten de Vries von TOMTOM, gewährleisten optimale Sicherheitsstandards. Laurent Colpier, verantwortlich für Marken- und Strategiemanagement bei Renault Trucks, sprach über intelligente Transportsysteme mit den Hauptkriterien Verkehrssicherheit, Kraftstoffmanagement, Wartung und Reparatur, Transportmanagement und Fahrertraining.

China auf Wachstumskurs. Im zweiten Teil beschäftigte sich der CLEPA-Conference mit den Herausforderungen des chinesischen Aftermarkets. Da stehen trotz aller Unkenrufe, die Zeichen auf Wachstum. Barrieren und Herausforderungen gibt es da zur Genüge. Obwohl es in den Megastädten bereits heute starke Restriktionen für die Fahrzeugzulassungen gibt, wird der Fahrzeugbestand im Reich der Mitte bis 2020 um 11,6 Prozent wachsen und dann 262 Millionen Einheiten betragen. Für den Aftermarkt sagt Frost & Sullivan ein Wachstum um 14,9 Prozent voraus. Kein Wunder, dass dieser Markt trotz aller Widrigkeiten höchst interessant bleibt.

Telematik: Round Table in Brünn

Derzeit gibt es noch viele offene Fragen, die vor Einführung des eCall 2018 gelöst werden müssen:  In welcher Sprache wird nach dem obligatorischen Datentransfer kommuniziert, wie reagiert man bei Fehlalarm, wann sind alle Telekommunikationsanbieter technisch „eCall-reif“.  Um die künftige Umsetzung von EU-Recht mit den Nationalstaaten künftig besser zu koordinieren lud die Berichterstatterin MEP Olga Sehnalová für ein Pilotprojekt Ende Mai nach Brünn. Bei der Präsentation von Andy Rooke wurden eine Reihe offenerFragen erörtert.  Insgesamt kamen rund 50 Teilnehmer aus der Tschechischen Republik, der Slowakei, Ungarns und Österreich. Die heimische Delegation mit acht Teilnehmern stand unter der Leitung von Julia Düh vom bmvit. Den VFT vertrat Obmann LAbg GR KommR Ing. Mag. Bernhard Dworak.

In Brünn trafen einander zum eCall-Dialog Vertreter von vier EU-Mitgliedstaaten (A, H, SK, CZ). Österreich war prominent vertreten: VFT-Obmann Bernhard Dworak (l.), Referent MMag. Bernhard Wiesinger (2. v. l.), Delegationsleiterin Julia Düh, bmvit mit weiteren Teilnehmern